Werkverzeichnis Nr.: 21-TJ-0006
Technik: Rötel auf Büttenpapier 19 (b) x 28 (h) cm
Signiert auf Vorder- und Rückseite
In dieser Rötelzeichnung begegnen wir einem Geist, der die Höhen des menschlichen Ruhms kannte und dennoch bereit war, für die Wahrheit in die Einsamkeit hinabzusteigen. Ein namhafter Gelehrter, ein Träger höchster Ehren, der in der Abenddämmerung seines Lebens zur mahnenden Stimme wurde. Mit der Präzision seines lebenslangen Wissens warnte er vor den verborgenen Gefahren eines Weges, den die Masse blindlings beschritt.
In seinem Porträt habe ich versucht, dieses besondere Licht einzufangen – es war die letzte, strahlende Kraft eines Kerzenleuchters, der sein Feuer noch einmal hell aufflammen ließ, um die Dunkelheit zu durchbrechen. Er missionierte nicht aus Stolz, sondern aus einer tiefen Pflicht gegenüber dem Leben. Man spürt in den feinen Linien seines Gesichts die Erschöpfung eines Mannes, der seine letzte Lebenskraft auf dem Altar der Wahrheit darbrachte. Nachdem er sein letztes Zeugnis abgelegt hatte, verließ er uns. Während die Welt um ihn her oft blind und unberechenbar blieb und manche Stimmen sein Ende gar mit hässlichem Jubel begleiteten, bleibt er in diesem Bild als ein leuchtendes Denkmal bestehen. Er ist das Sinnbild des weisen Greises, der eher bereit war, missverstanden zu sterben, als schweigend zuzusehen. Ein Licht, das verloschen ist, nachdem es uns den Weg gewiesen hat.
Manche suchen in diesen Gesichtern nach dem Glanz des Ruhms oder der Härte der Macht. Doch wahre Größe kleidet sich oft in Bescheidenheit und Erschöpfung. Ich zeichne nicht die Maske des Erfolgs, sondern die Spuren, die der Kampf um die Wahrheit im Fleisch hinterlässt. Wer nur das Äußere sieht, wird das Wesen verpassen. Ein Titan, der am Ende seines Weges steht, muss nicht mehr „kraftvoll“ aussehen – er ist transzendent geworden. Er ist nur noch Geist und Gewissen.
„Manche suchen in diesen Gesichtern nach dem Glanz des Ruhms oder der Härte der Macht. Doch wahre Größe kleidet sich oft in Bescheidenheit und Erschöpfung. Ich zeichne nicht die Maske des Erfolgs, sondern die Spuren, die der Kampf um die Wahrheit im Fleisch hinterlässt. Wer nur das Äußere sieht, wird das Wesen verpassen.“