Werkverzeichnis Nr: 14-TP-0079
Technik: Tusche, Aquarell auf Zeichenpapier 200(b) x200(h) mm
Signiert auf der Vorder-und Rückseite
Derrida, der Denker der Dekonstruktion, schrieb ein wunderbares Buch über das Zeichnen (Memoiren eines Blinden). Er sagt, dass der Zeichner im Moment des Strichs eigentlich „blind“ ist, weil er nicht auf das Papier schaut, sondern einer inneren Spur folgt.
„Das Zeichnen ist immer ein Akt der Erinnerung und der Blindheit zugleich. In dem Moment, in dem der Stift das Papier berührt, verlässt das Auge das Modell; der Künstler folgt einer inneren Spur, einem Schatten des Gewesenen. Ein Porträt ist daher niemals eine bloße Kopie der Realität, sondern eine Spur des Abwesenden.
Wir müssen lernen, das zu sehen, was am Rand liegt, was in den Zwischenräumen der Sprache verloren geht. Die Wahrheit eines Bildes liegt nicht in dem, was es vollkommen zeigt, sondern in dem, was es offenlässt – in der Ungewissheit des Strichs. Ein Gesicht ist eine Textur aus Licht und Schatten, die man niemals ganz ‚lesen‘ kann. Jedes Porträt ist ein Aufschub der Bedeutung; es sagt uns: ‚Schau her, aber glaube nicht, dass du mich bereits kennst.‘ Das Sehen ist kein Besitzen des anderen, sondern ein Anerkennen seiner Unendlichkeit, die sich hinter jedem Namen und jeder Maske verbirgt.“